Haben Sie schon mal … gefloatet?

Schon seit einigen Jahren auf meiner „Wollte-ich-schon-immer-mal-machen-Liste“: Das Floaten.

Der Floatende schwebt in einer mit hochkonzentrierter Salzsole gefüllten überdimensional großen Muschel oder in einem Becken und soll so zu innerer Ruhe und Entspannung finden – fernab von Alltagsstress und Hektik. Da Floaten zwischenzeitlich zum Wellness-Trend geworden ist, haben wir in München mehrere Float-Center, die – zumindest abends und am Wochenende – auf einige Zeit im Voraus ausgebucht sind.

Meinem Schatz hatte ich eine gemeinsame Floating-Stunde zum Geschenk gemacht und so begaben wir uns an einem verregneten Julitag ins Floating-Center. Angenehme Einrichtung, wohlklingende Musik und freundlich kompetentes Personal hießen uns willkommen. Nach der obligatorischen Dusche ging es sogleich ins Floating-Becken, einer Art Riesenbadewanne, die circa zu einem Viertel mit Salzwasser gefüllt war.

Schon beim Einsteigen ins Becken spürten wir die tragende Kraft der körperwarmen Flüssigkeit. Und kaum bewegten wir uns in Richtung Horizontale, schwebten wir schon wie zwei Wasserbälle an der Oberfläche. Genial! Jetzt noch das Licht aus: vollkommene Dunkelheit, absolute Stille und ein wahrlich neuartiges Gefühl.

Die Salzsole fühlt sich fast schon glitschig an auf der Haut und bildet nach einiger Zeit eine Kruste an den Körperstellen, die aus dem Wasser schauen. Zwei Menschen in Salzkruste – wie bei dieser gleichnamigen Zubereitungsart, Himmel sei Dank ohne Garen ;). Brennen tut auch nichts, es sei denn, es schwappt Salzwasser in die Augen, was beim Stillliegen normalerweise nicht passiert.

Mit der Ruhe und Bewegungslosigkeit war es in meinem Fall jedoch bald wieder vorbei, da mein Partner sich nicht sogleich entspannen konnte. Plätscher, plätscher, schwapp, schwapp. Jede seiner Zappelbewegungen hat sich über das Wasser gleich auf mich übertragen. Das ist ein bisschen wie in einem dieser alten Wasserbetten zu liegen, auf denen man auch seekrank werden konnte. „Ruhe jetzt und still liegen!“, ließ ich lachend verlauten und glücklicherweise tat er es auch.

Das Gefühl von Schwerelosigkeit

Durch die extreme Reduzierung der äußeren Sinnesreize wird zuerst die Wahrnehmung des eigenen Körpers verstärkt. Atem und Herzschlag sind sehr deutlich vernehmbar. Doch auch das trat bald in den Hintergrund. Dieses herrliche Gefühl von Schwerelosigkeit faszinierte mich derart, dass ich gar nicht genug bekommen konnte. Dann prüfte ich, ob ich auch wirklich jeden Muskel meines Körpers entspannte,  denn insbesondere den Kopf einfach vom Wasser tragen zu lassen, ist ein sehr ungewohntes Gefühl und ich spannte den Nacken immer wieder mal an.

Plötzlich war ich ganz und gar bei mir. Ich fühlte, wie meine Gedanken sich mehr und mehr beruhigten. Eine tiefe Entspannung überkam mich – Wohlbefinden, Meditation, Glück.

Diese wunderbaren Eindrücke begleiteten mich weit über das Floating-Erlebnis hinaus. Danach fühlte sich die Welt irgendwie langsamer und intensiver an. Die folgenden Stunden hatte ich das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug, verspürte keinerlei Lust auf Konversation.

Floating hat zahlreiche positive Wirkungen

  • Es erfolgt eine Verlangsamung der Gehirntätigkeit vom Beta-Zustand über den Alpha-Zustand bis hin zum Theta-Zustand – das bedeutet, wir befinden uns in einem tiefen Entspannungszustand.
  • Der Neurotransmitter Endorphin, der während des Floatens freigesetzt wird, verschafft ein Wohl- und Glücksgefühl.
  • Medizinische Test ergaben, dass Floating den Stresslevel senkt und weniger stressbedingte neurochemische Substanzen wie Adrenalin, ACTH und Cortisol ausgeschüttet werden. Das ist gut, denn ein Übermaß an Stress-Chemikalien hemmt die Effektivität des Immunsystems. Menschen, die unter großem Stress stehen, neigen mehr zu Infektionen und Viruserkrankungen als diejenigen mit einem gut funktionierendem Immunsystem.
  • Floating ist hilfreich bei der Bekämpfung von Krankheiten, wie z.B. Asthma, Arthritis oder Multiple Sklerose und soll auch bei spannungsbedingten Kopfschmerzen, Rückenleiden und Schlaflosigkeit helfen.
  • Und nicht zuletzt hat der hohe Mineral- und Salzgehalt der Sole eine pflegende und heilende Wirkung auf die Haut.

Floating No. 2 – Allein im Tank

Weil es so schön war, buchte ich eine Woche später eine weitere Floating-Stunde. Diesmal für mich allein und explizit im Floating-Tank.

Dieser sieht aus wie eine große Muschel und ist ebenfalls zu gut einem Viertel mit Salzwasser gefüllt. Der Deckel lässt sich von innen auf Knopfdruck öffnen und schließen und verfügt über einen Lichtschalter.

In froher Erwartung stieg ich also in den Tank, Deckel zu, Licht aus, Ruhe, Dunkelheit…und …. AAAhhhh, Kopftheater!

Wo ist der Lichtschalter hin? Geht eigentlich der Deckel nur auf Knopfdruck auf? Etwa so langsam wie der zuging?  Verdammt, wo ist das Licht? Patsch, patsch, tast, tast. Gott sei Dank – hier. Licht an!

Das erinnerte mich doch gleich an mein erstes Erlebnis vor vielen, vielen Jahren im Solarium. Da ging der Deckel auch nur elektrisch auf und zu. Brauchte seine Zeit. Und gab es da nicht eine Werbung, bei der einer dazwischen gegrillt wurde?

„Ok Yvonne, durchatmen. Alles Hirngespinst. Natürlich geht der Deckel wieder auf. Ich krieg auch genug Sauerstoff. Ich hab doch gar keine Platzangst.“ Im Kopf durchexerziert hatte ich das obige Schreckensszenario ja schon, da haben wir es wieder: eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Wenn Sie befürchten, dass es Ihnen ähnlich gehen könnte, kann vielleicht eine Floating-Muschel mit Musik oder Videoeinstimmung helfen. Es gibt übrigens auch Floating-Angebote mit Lern- und Trainingsprogrammen, z. B. für Sportler oder schwangere Frauen. Der Lehrinhalt wird über den im Tank befindlichen Bildschirm vermittelt.

Nach ein paar Minuten hatte ich mich jedenfalls wieder beruhigt, Atmung normal, Puls normal. Ruhe & Entspannung pur. Zwar nicht so intensiv wie beim ersten Mal. Ob das vielleicht auch am großen Cappuccino lag, den ich vorher genossen hatte? Und ein Mittagessen mit anregender Unterhaltung ist der gewünschten Totalhingabe möglicherweise auch nicht so zuträglich. Eine Lernerfahrung für das nächste Mal.

Fazit

Floaten ist auf jeden Fall eine interessante und besondere Erfahrung. Ob allein oder zu zweit. Besonders wirkungsvoll in stressigen Zeiten oder nach Langstreckenflügen. Viel Spaß beim Selbst-Probieren!

  Kommentare zu “Haben Sie schon mal … gefloatet?

  1. 4. September 2011 at 22:21

    Liebe Yvonne,

    da bin ich ja mal richtig froh, dass Sie das Erlebnis in der Muschel so beschreiben. Sonst liest man immer von totaler Entspannung, schweben und so. Mir ging es genauso wie Ihnen. Ich verfiel schlicht in leichte Panik, hatte ziemlich Mühe, mich zu entspannen. Dazu hatte ich dauernd das Kopfkino, dass ich diese hochkonzentrierte Sole in die Augen bekommen könnte…
    Es war nicht wirklich entspannend für mich. Ich habs nicht wieder versucht. Vielleicht sollte ich mal rausbekommen, ob es in Berlin auch etwas ohne Deckel gibt.

  2. Yvonne Rubin
    6. September 2011 at 17:24

    Hallo Barbara, oh ja, diese Suche kann sich lohnen, denn im größeren Becken fällt nicht nur die Leichtpanikattacke und das Einweckglas-Feeling weg, sondern ich fand das Erleben von Schwerelosigkeit und Weite auch intensiver, da man so sanft vor sich hintreibt. Viel Erfolg bei der Suche, Yvonne

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