Haben Sie schon mal … Lach-Yoga gemacht? :-D

Eine Stunde lang auf Kommando laut prustend und kichernd mit wildfremden Menschen in einem Raum rumhüpfen. Haben Sie das schon mal gemacht? – Ich schon, gestern Abend.

Bereits damals in meiner Yogalehrer-Ausbildung hatte ich davon gehört, jetzt habe ich es endlich ausprobiert: Lach-Yoga.

Ich lache total gerne und war vor allem gespannt, wie Lachen und Yoga zusammengebracht werden. Also habe ich zunächst im Internet recherchiert, um das herauszufinden und fand sogleich Menschen, die sagten, sie hätten dank dieser Technik den Sinn ihres Lebens gefunden oder ihr Leben hätte sich in nahezu jeder Richtung zum Positiven verändert. Das fand ich ein bisschen dick auftragen – ok, ich war auf einer amerikanischen Seite gelandet.

Also googelte ich neu und zwar konkret nach Angeboten in München, schließlich wollte ich es ja selbst erleben. Und stand ein paar Stunden später mit ca. 20 anderen Menschen in einem vorwiegend orange gehaltenen, ansonsten leeren Raum ohne Yogamatten und schaute erwartungsvoll in die Runde. Ernste, vom Tagwerk abgespannte Gesichter um mich rum. – „Das kann ja heiter werden.“, mein erster Gedanke.

Die Lachyoga-Lehrerin betrat den Raum, Gott sei Dank gleich mit einem herzlichen Lachen, und begrüßte uns. Dann erklärte sie den Neulingen wie mir, was Lach-Yoga alles kann, nämlich:

  • den Kopf frei machen und auf andere Gedanken bringen,
  • wach werden lassen und erfrischen,
  • Stress abbauen,
  • das allgemeine Wohlbefinden steigern,
  • glücklich stimmen, dank der Glückshormone, die da ausgeschüttet werden,
  • Schmerz stillen und Entzündungen hemmen sowie das ganze Immunsystem stärken,
  • das Herz-Kreislaufsystem kräftigen,
  • das Gehirn besser mit Sauerstoff versorgen.

Zudem soll Lach-Yoga kontaktfreudiger machen sowie Kreativität und Intuition befruchten.

„Klingt vielversprechend.“, dachte ich mir. Doch als ich so in die Runde schaute, war mir nach Lachen nicht gerade zumute. Ein paar Wissende um mich herum versuchten bereits krampfhaft, die Mundwinkel hochzuziehen, andere nickten zu den Worten der Lehrerin.

„Fake it, till you make it.“, erklärte diese gerade. Wir sollten also künstlich loslachen, bis dieses dann in ein natürliches, frei fließendes Gelächter überginge. Dazu würden wir im Kreis gehen und ein paar Dehn- und Atemübungen machen. Außerdem könnten wir frisch von der Seele weg Schauspielern und Pantomimen. – Und dann legte sie los.

 

Ha ha ha! Ho ho ho! Hi hi hi

„Ha ha ha. Ho ho ho. Hi hi hi.“, sang sie laut und klatschte sich dazu abwechselnd in die Hände, dann vor die Stirn, dann auf die Schulter. Machte wilde Gesichter und forderte uns einladend gestikulierend auf, mit einzusteigen. Langsam, sehr langsam setzte sich die Runde in Bewegung. Die ersten stimmten ins Hoho-hahaha-hihihi-Konzert ein – sicher waren das Schon-mal-da-gewesene. Andere schauten irritiert in die Runde.

„Einlassen. Einfach ausprobieren. Egal ob ihr euch blöd vorkommt, das ist normal.“, feuerte unsere Vorreiterin nun an und immer mehr trauten sich. Auch ich klatschte mir frohgemut auf Schenkel und Stirn und presste gekünstelte Lachgeräusche aus mir heraus. „Was für ein Schmarrn.“, kommentierte jemand in mir. Egal, weiter!

Die Gruppe wurde lauter und ausgelassener. Die Gesten offener und die Gesichter lustiger. Manche rissen die Augen weit auf und streckten zwischendurch die Zunge heraus. Eine Frau flocht sich Pipi-Langstrumpf-Zöpfe und hüpfte wild quer durch unseren Kreis. Das war so lustig, dass ich lauthals loskichern musste. Meine Anspannung wich und ich stieg voll ein: „Hahaha, Hohoho, Hihihi“. Jeder tat, was ihm in den Sinn kam, egal, wie deppert es aussah.

Irgendwann wurde die Gruppe von einer Welle erfasst. Lachflash! Es gackerte und tobte, kicherte und prustete. Ein einziges Johlen und Juchzen. Jeder wurde erfasst, konnte gar nicht mehr anders. Welch fantastisch ausgelassene Stimmung!

Zwischendurch schaltete sich noch einmal mein innerer Kritiker ein und fragte, was ich hier eigentlich mache. Eine andere Stimme jagte den Bedenkenträger weg und feuerte mich noch mehr an. Herrlich. Die ersten kugelten sich vor Lachen am Boden rum, andere hauten sich auf die Schenkel oder wischten sich die Tränen aus den Augen. Ich hörte ein gigantisches Lachkonzert und trötete fleißig mit.

Puh, ist das anstrengend. Meine Bauchmuskeln mussten Schwerstarbeit leisten, um das Gelächter stemmen zu können. Überhaupt war mein ganzer Körper gut beansprucht. Lach-Yoga scheint auch das Fitness-Studio ersetzen zu können. Außer Puste kommt man ganz ordentlich. Alle schwitzten, die Luft brannte und knisterte.

Keine Ahnung, wie lange wir das machten. Irgendwann sagte die Lehrerin: „Cool down. Relax. – Langsamer und tiefer atmen, das Lachen bitte sanft ausklingen lassen.“ Einigermaßen wieder runtergekommen, legten wir uns auf den Boden, schlossen die Augen und spürten nach. Dann hoben wir langsam die Oberkörper und schauten in die Runde.

Lachen öffnet Türen zum Herz anderer Menschen, heißt es. Und genau das war passiert. Obwohl wir uns nicht kannten, nicht wussten, wie wir heißen, schauten wie uns offen und froh in die Augen. Manche umarmten sich. Wir nickten uns zu oder unterhielten uns. Dann eine fröhliche Verabschiedung und hinaus in die schöne Spätsommernacht. Wow. Mir ging es ausgesprochen gut. Ich fühlte mich leicht, erfrischt und heiter. Der Alltag schien wie weggezaubert. Und auch heute kann ich in diese Vergnügtheit wieder einstimmen.

Madan Kataria, der weltweite Verbreiter des Lach-Yoga sagt: „Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind, sondern wir sind glücklich, weil wir lachen.“ – Ich sage Ihnen: Er hat recht. Und das geht auch außerhalb vom Lachyoga-Unterricht.

Mein Fazit

Probieren Sie es aus. Es ist eine interessante Erfahrung, dass es funktioniert, sich grundlos und mit Absicht in gute, ausgelassene Stimmung zu lachen. Insbesondere für Menschen, deren Alltag gerade wenig Lustiges bietet, ist es eine Möglichkeit, aus der Ernsthaftigkeit des Lebens zumindest für eine kurze Zeit auszubrechen und gestärkt sowie durch diese Erkenntnis bereichert weiterzumachen. Auf jeden Fall ist es für jeden, der sich einlässt, ein fröhliches Erlebnis, das den Horizont erweitert.

  Ein Kommentar zu “Haben Sie schon mal … Lach-Yoga gemacht? :-D

  1. 2. Oktober 2012 at 14:49

    In Niederösterreich gibt es da ein gelungenes Projekt:

    „Lachen im Park“ findet jeden Samstag von 11.00 bis 11.30 Uhr gratis im Stadtpark Krems, beim Pavillon statt.

    ich war einmal mit einer Freundin dort – und es hat wirklich gutgetan!

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