Serie Stärken stärken ~ Nr. 6 “Kreativität”

Kreativität in wenigen Worten zu beschreiben, ist kein leichtes Unterfangen. Die auf Wikipedia zu lesende Definition ist (zumindest Stand heute) nicht nur Wissenschaftler-Kauderwelsch, sondern zudem wohl weder hinreichend noch neutral und somit zur Überarbeitung ausgeschrieben.

Im Ergebnis des Charakterstärkentests des Positiven Psychologie, den meine Serie als Ausgangspunkt zur Reflexion nimmt, steht dazu:

„Kreativität: An neue Wege zu denken, um Dinge zu erledigen, ist ein bedeutender Teil von dem, wer Sie sind. Sie sind nie damit zufrieden, Dinge auf dem gewöhnlichen Weg zu erledigen, wenn ein besserer möglich ist.“

Wer ist kreativ?

In Sachen Kreativität gibt es viele verschiedene Ansichten, teils sehr konträre: Die einen halten nur äußerst wenige Menschen dafür, nämlich jene, die wirklich Neues im Sinne von „noch nie Dagewesen“ entwickeln und damit Fortschritt in die Welt bringen. Andere sprechen sie jedem immer und überall zu, schon beim Lösen von alltäglichen Problemen. Manche meinen, es ginge dabei immer um künstlerischen Ausdruck, andere zählen auch innovative Unternehmenskonzepte oder Computerprogramme als kreative Leistung.

Sie sehen schon: Wenn Kreativität zu Ihren Stärken zählt und Sie Klarheit darüber haben wollen, was genau das für Sie bedeutet und wo oder wie sich Ihre Kreativität äußert, sollten Sie sich Bedenkzeit nehmen, um sich eine eigene Meinung zu bilden und Ihrem ganz persönlichen Schöpfertum auf die Spur zu kommen.

Das macht kreative Menschen aus

Kreativität hat verschiedenste Ausprägungen, verbindend sind gemeinsame Treiber und Verhaltensweisen:

  • Kreative sind unzufrieden mit etwas, was sie hören oder erleben. Das bringt sie dazu, andere Lösungen zu finden.
  • Oder sie haben ein gewisses Interesse an einem Thema oder Bereich, vertiefen sich daher intensiv hinein und entwickeln oder gestalten etwas Neues.
  • Sie tun (absichtlich oder intuitiv) vieles von dem, was man unter dem Stichwort „Kreativitätstechniken“ zusammenfasst, beispielsweise Ideen sammeln, strukturieren und vorantreiben oder die Perspektiven wechseln oder Althergebrachtes hinterfragen …
  • Sie kombinieren Ungewöhnliches miteinander und kommen so zu originellen Ergebnissen.

Das ist das Wesentliche. Ergänzen Sie einfach, was Ihnen darüber hinaus fehlt und wichtig ist. Vielleicht ist es für Sie zudem interessant zu überlegen, ob es für Ihr Verständnis von Kreativität reicht, wenn jemand viele Ideen hat, oder ob diese auch umgesetzt und zu einem Ergebnis gebracht werden müssen.

Achten Sie beim Nachdenken über Ihre eigene Kreativität darauf, bei welchen Tätigkeiten Sie sich auch als solches empfinden. Und zwar ungeachtet dessen, was andere dazu meinen. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, überlegen Sie, wo Ihnen Kreativität immer wieder bescheinigt wird. Natürlich können Sie auch Menschen die Sie gut kennen dazu befragen.

Kreativer im Berufsleben

Artdirector, Berater, Entwickler oder Autor – in vielen Berufen ist täglich Kreativität gefragt. Gut, wenn Sie so einen gewählt haben, wenn Sie ein Mensch mit Ideen- und Gestaltungsdrang sind.

Doch auch in wenig schöpferischen Arbeitsgebieten können Sie diese Stärke einbringen. Tun Sie, was weiter oben in der Aufzählung steht: Hinterfragen Sie Prozesse und optimieren Sie diese. Sehen Sie auftretende Probleme und Herausforderungen als Anreiz, kreative Lösungen zu finden.

Wenn Sie mehr wollen, sollten Sie über den Tellerrand schauen. So hat sich eine meiner Klientinnen einer Gruppe von Kollegen angeschlossen, die sich um Trends und zukünftige Produkte kümmert. Diese Tätigkeit gibt ihr nun zum eher routinemäßig ablaufenden Führungsjob den gewünschten Kreativitäts-Kick.

Nutzen Sie also Ihre Stärke gleich hier und jetzt: Denken Sie groß und um die Ecke! Wo und wie könnten Sie in Ihrem beruflichen Umfeld Ihren Einfallsreichtum und Ihre Gestaltungskraft einbringen? Was könnten Sie initiieren?

Kreativer im Privatleben

In meiner Beratungspraxis erlebe ich immer wieder, dass bei kreativen Menschen die Schwierigkeit weniger darin besteht, noch kreativer zu werden, jedenfalls im Sinne von „mehr Ideen finden“. Denn diese sind zuhauf vorhanden. Vielmehr liegt die Herausforderung darin, sich auf etwas festzulegen oder sich Zeit für die Umsetzung zu nehmen.

Wenn Sie sich nicht entscheiden können, welche Ihrer Ideen Sie zuerst angehen wollen und Sie sich stattdessen in tausend spannenden Dingen verzetteln, gibt es grob gesagt zwei Lösungswege: Entweder Sie priorisieren klar. Sie horchen also in sich hinein und finden heraus, worauf Sie am meisten Lust haben oder was Ihnen am Wichtigsten ist. Das tun Sie dann; alles andere lassen Sie. Zumindest vorerst. Der andere Weg ist, sich auf eine realistische Anzahl an kreativen Leidenschaften zu beschränken und diesen feste Zeiträume zuzuteilen.

Vielleicht sind Sie aber auch davon überzeugt, dass Sie gleich viele Stunden am Stück oder mehrere Tage für die Realisierung Ihrer Ideen brauchen, was sich sicher nur schwer machen lässt. Das sollten Sie kritisch hinterfragen. Denn wenn Sie sich Ihrem Thema täglich oder alle paar Tage nur eine Viertelstunde lang widmen, macht Sie das nicht nur zufrieden, sondern es geht Stück für Stück voran. Egal, ob Sie eine technische Erfindung machen, Klavier spielen lernen, einen Roman schreiben oder einen Garten anlegen wollen.

Reflexionsfragen zur Stärke „Kreativität“

Wenn Sie die Stärke „Kreativität“ mehr leben wollen, sind folgende vertiefende Fragen für Sie interessant:

  • Was verstehe ich unter Kreativität?
  • Was macht meine Kreativität konkret aus? – Was genau tue ich?
  • Lebe ich meine Stärke beruflich schon genug?
  • Nehme ich mir in meinem Privatleben und insbesondere in meiner Freizeit genug Raum für die Verwirklichung meiner kreativen Ideen?
  • Wie kann ich diese Stärke in Kombination mit meinen anderen Top-Stärken, Interessen und Wünschen verbinden und in mein Leben integrieren?
  • Gibt es konkrete Schritte, die ich nun diesbezüglich angehen möchte?

Alle Beiträge meiner Serie inklusive Einführungsartikel und Kurzinfo zum Charakterstärkentest finden Sie hier

Das nächste Mal geht es in meiner Serie „Stärken stärken“ um „Humor“. Kommen Sie also wieder vorbei oder abonnieren Sie meinen kostenlosen Newsletter oder die RSS-Feeds.  

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