Serie: Stärken stärken ~ Nr. 13 „Sinn für Schönes“

„Ich schaffe Dinge, deren höchste Zweckmäßigkeit die Schönheit ist.“, sagt der Designer Lars Hetmanek, den ich kürzlich interviewt habe. Sein größtes Anliegen ist es, Objekte der Begierde zu schaffen, die andere verzaubern. Eine seiner Top-Stärken ist „Sinn für Schönes“. Diese ist eine der 24 Charaktereigenschaften, die die Positive Psychologie als glücksfördernd definiert.

Wie steht es bei Ihnen mit dem Schönheitssinn? – Herausfinden können Sie es mit dem Signaturstärkentest der Positiven Psychologie auf dieser Webseite.

Im Testergebnis steht dann dazu:   

Sinn für das Schöne [Ehrfurcht, Staunen, Bewunderung]: Wahrnehmen und Wertschätzen von Schönem, Besonderem und Hervorragendem in allen Bereichen des Lebens (von Musik, zu Kunst, zu Natur, zu Mathematik, Sport, zu Wissenschaft oder alltäglichen Erfahrungen). 

Verwundert hat mich, dass hier nur das „Wahrnehmen und Wertschätzen“ erwähnt wird und nichts vom Erschaffen des Schönen steht. Dabei ist das für Menschen mit dieser Stärke oft noch erfüllender. Und darum beschreibe ich auch diesen Aspekt in meinem Beitrag. 

Was macht Menschen mit Schönheitssinn aus?

Klar: Was Schönheit ist, liegt immer im Auge des Betrachters. Wahrnehmen und erschaffen kann sie,

  • wer sehenden und fühlenden Herzens ist und 
  • wer sich Zeit und Muße dafür nimmt.
 
Wird das Schaffen von Schönem zum Hobby oder zum Beruf, kommt man nicht umhin, sich mit dem Schönheitsempfinden anderer und oft auch dem aktuellen Zeitgeist auseinanderzusetzen. Es bedarf also des offenen Interesses und des Gespürs für Bedürfnisse. Menschen mit Schönheitssinn sind zumeist feinfühlig und können genießen. Das wiederum geht nur mit Ruhe und Hingabe. Oft ist der Blick für Details, Zusammenhänge und Präzision gefragt.

Vorteile

Schönheit zu empfinden, trickert das Belohnungssystem in unserem Hirn. Es werden Glückshormone ausgeschüttet. Da Schönheit ein Grundbedürfnis des Menschen ist, erfreuen sich jene, die sie erschaffen doppelt, nämlich am eigenen Werk und an der Freude der anderen. 

„Man ist jung, solange man sich für das Schöne begeistern kann und nicht zulässt, dass es vom Nützlichen erdrückt wird.“, sagte Jean Paul und damit hat er recht. Denn wer sich immer wieder faszinieren lassen und bewundern kann, lebt ein spannendes und buntes Leben.

Im Sinne des Stärken-stärken-Ansatzes geht es nun wieder darum, Ihre Stärke „Sinn für das Schöne“ möglichst intensiv einzusetzen, um noch zufriedener und glücklicher zu leben.

Schönheitssinn im Berufsleben

Wie bei den anderen Stärken gibt es auch hier naheliegende Berufe: Angefangen von den Künstlern aller Colleur über Menschen, die andere verschönern, wie Friseure oder Schönheitschirurgen bis hin zu Personen, die Schönes vertreten oder verkaufen, wie Musikagenten, Galeristen oder Verkäufer in entsprechenden Geschäften. 

Und es gibt Berufe, in denen diese Stärke gefragt ist, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Dazu gehören beispielsweise Hersteller von Praxiseinrichtungen oder Automaten aller Art. In den letzten Jahrzehnten hat sich ansprechendes Design und besondere Ästhetik als wesentlicher Wettbewerbsvorteil entpuppt, da die Produkte funktional alle gleich oder sehr ähnlich sind. Das muss man erkennen und bereit sein, zu investieren. Da haben Menschen mit der Stärke Sinn für Schönes Pluspunkte.

Wenn es auch Ihre Top-Stärke ist: Überlegen Sie doch mal, wo in Ihrem Beruf Sie Ihren Schönheitssinn einbringen können, vor allem auch dann, wenn es scheinbar nicht auf der Hand liegt. Vielleicht können Sie ja beratend beim Umbau der Kantine unterstützen oder einen sonstigen gestalterischen Verbesserungsvorschlag unterbreiten?

Seinen Sinn für das Schöne kann man im Grund in jedem Job ausleben. So können Sie Ihren und auch die Arbeitsplätze Ihrer Kollegen ansprechend und angenehmer gestalten. Vielleicht sorgen Sie ja dafür, dass es alle paar Monate neue Bilder an den Flurwänden gibt? Oder erfreuen sich und andere durch Blumen oder schöne Arbeitsutensilien? 

Schönheitssinn im Privatleben

Im Privaten gibt es noch mehr Möglichkeiten diese Stärke zu leben. Sie können sich nämlich

  1. das, was Sie als Schön empfinden regelmäßig einladen und genießen und
  2. entsprechend Ihrer Leidenschaft Schönes erschaffen.
 

Schönes wahrnehmen & genießen

Ein paar Inspirationen: 

  • Spaziergänge in der Natur oder durch schöne Städte
  • Schaufensterbummeln oder dem Schönen gewidmete Zeitschriften schmökern
  • Kunst genießen in aller Form, in Museen, Ausstellungen, Konzerte…
  • im Grunde gehört alles dazu, was Sie ergreifen und überwältigen kann: Vielleicht ist die Grazie der Pferde beim Rennen. Oder das erhebende Gefühl, wenn Ihr Kind Ihnen auf der Flöte vorspielt.  
Fragen Sie sich, was Ihr Herz vor Freude springen lässt, wenn Sie es hören, sehen, riechen, schmecken oder fühlen. Und dann genießen Sie das immer und immer wieder.  
 

Schönes schaffen & genießen

Auch beim Selberschaffen sind Ihnen keine Grenzen gesetzt. Sie können

  • Künstlerische Aktivitäten aller Art in Angriff nehmen und pflegen: Malen, Fotografieren, Dekorieren, Musizieren… – Schauen Sie doch mal in das Volkhochschulprogramm Ihres Ortes. Sie werden sich wundern, was da alles geboten wird. 
  • sich gemeinnützig in Sachen Ästhetik aktiv werden, beispielsweise bei Aktionen wie „Unsere Straße soll schöner werden.“ oder „Unser Ort – der schönste im Kreis“. Gibt es nicht? – Dann initiieren Sie sie doch. 
  • mit den vielen kleinen Dingen Ihr schönheits-sehnendes Herz erfreuen: Mit Blumen und selbstgemachten Fotocollagen von Ihren Lieben. Vielleicht stehen Sie ja weniger auf Gebasteltes, sondern mehr auf Computer: Wie wäre es denn mit einem Zusammensschnitt der besten Urlaubsbilder? Das ganze mit Musik und flotten Sprüchen hinterlegen und die Familie zum gemütlichen Abend bei gutem Wein einladen. Sie können auch immer mal wieder die Wohnung umräumen und neue Blickerfreuer schaffen. Oder anderen etwas Schönes gestalten und schenken – das erfreut doppelt.
 
 Überlegen Sie selbst: Was gestalten Sie gern? Und wann gehen Sie es wieder an?

Reflexionsfragen zur Stärke „Sinn für Schönes“

Wenn Sie diese Stärke aktiver leben wollen, fragen Sie sich doch mal:

  • Was verstehe ich genau unter Schönheit?
  • Wo kann ich meinen Sinn für das Schöne einsetzen: beruflich? privat?
  • Wer oder was hat Schönheitssinn für mich? Und warum?
  • Wo und wann bringe ich meinen Sinn für Schönes schon ein? – Schreiben Sie konkrete Situationen auf, die Ihnen einfallen.
  • In welchen Lebensbereichen möchte ich diese Stärke noch einbringen?
  • Wie kann ich diese Stärke mit meinen anderen Kernstärken verbinden und aktiv leben? (Dafür müssen Sie den Test der Positiven Psychologie gemacht haben.)
  • Was konkret will ich nun diesbezüglich ausprobieren oder angehen?

Über Ihre Meinung zum Thema und weitere Ideen freue ich mich. Im nächsten Stärkenportrait geht es um „Dankbarkeit“. Die gehört auch zu Ihren Stärken oder Sie sind neugierig und wollen den Beitrag nicht verpassen? – Dann:

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Alle bisherigen Beiträge meiner Serie inklusive Einführungsartikel und Kurzinfo zum Charakterstärkentest finden Sie hier.

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