Kennen und leben Sie Ihre persönlichen Werte?

Werte beeinflussen in großem Maße unser Denken, unsere Entscheidungen und unser Tun. Sie sind unsere oberste Orientierungsinstanz. Wer gemäß seiner Werte lebt, ist mit sich im Einklang. 

Kollidieren zwei oder mehrere unserer Wertvorstellungen miteinander, haben wir einen inneren Konflikt. Kollidieren unsere Wertvorstellungen mit denen unserer Mitmenschen, haben wir einen äußeren Konflikt.

Um also herauszufinden,was uns wichtig ist und uns antreibt, macht es Sinn, sich einmal intensiv mit seinen Werten auseinanderzusetzen. 

Was sind Werte?

Werte sind Überzeugungen, die wir beispielsweise durch wichtige Einflusspersonen oder kulturelle Prägung übernommen haben. Andere wiederum basieren auf eigenen Erfahrungen oder wir haben sie durch die Auseinandersetzung mit der Frage „Wer will ich sein?“ in uns entwickelt. Jeder Mensch hat ein individuelles Wertesystem, das wesentlich seine Identität mitprägt.

Grundlegend sind Werte relativ stabil, jedoch nicht unveränderlich. Manche treten in bestimmten Lebensphasen mehr in den Vordergrund und schieben andere, zumindest vorübergehend, nach hinten. So mag im mittleren Erwachsenenalter der Wert „Familie“ an vorderster Stelle stehen, während 10 – 15 Jahre später die berufliche Verwirklichung relevanter ist.

Es gibt aber auch Werte, die ein Leben lang bestimmend sind und bleiben. Wenn beispielsweise jemandem der Wert „Gerechtigkeit“ sehr wichtig ist und sich dieser nicht durch wiederholte negative Erfahrung wandelt, wird er sich fortwährend und über alle Lebensbereiche und Lebensphasen hinweg daran orientieren. 

Seinen Werten auf die Spur kommen

Wenn wir über Werte sprechen, fassen wir diese zumeist in einem knackigen Begriff zusammen, beispielsweise „Sicherheit“, „Glück“ oder „Familie“. Dabei verdichten wir äußerst komplexe Vorstellungen zu einem einzigen Wort. Bei der Auseinandersetzung mit seinen persönlichen Wertvorstellungen geht es nun darum, sich diese umfassenden, oft diffusen Vorstellungen

  • auszuformulieren und so facettenreich wie möglich bewusst zu machen,
  • auf verschiedene Lebensbereiche bezogen zu betrachten und
  • zu untersuchen, wo diese Überzeugungen eigentlich herkommen.

Sie sehen schon: Sich größere Klarheit über diese inneren Antriebskräfte zu schaffen, ist keine Schnell-Schnell-Übung. Doch Sie müssen ja nicht gleich bei der erste Beschäftigung damit zu einem umfassenden Bild mit klarer Wertehierarchie kommen. Viel aufschlussreicher ist es, sich dem Thema wiederholt, aber dafür fundiert zu nähern. 

Für die erste Auseinandersetzung sollten Sie zwei bis drei Stunden einplanen, damit Sie wirklich reinkommen. Erst dadurch werden innere Suchprozesse ausgelöst, die bewirken, dass die Selbstklärung in Ihnen weitergeht und Ihr Fokus darauf geschärft bleibt. Sie werden sich dann im Alltag beispielsweise intensiver selbst beobachten oder darüber nachdenken, auf Basis welcher Werte Ihr Gegenüber wohl gerade entscheidet. Dadurch gewinnen Sie Stück für Stück weitere Erkenntnisse über sich selbst und vielleicht überkommt Sie der ein oder andere Aha-Effekt.

Dann macht es Sinn, sich dem Thema wieder intensiv in der schriftlichen Selbstreflexion zu widmen, ebenso lange, bis Sie ein möglichst klares Bild Ihres Wertesystems gewonnen haben.

Aus eigener Erfahrung und der, die ich als Coach diesbezüglich sammeln durfte, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich diese Zeit der Selbstklärung zu gönnen. Nochmal: Werte beeinflussen uns wesentlich. Wenn Sie Ihr Leben aktiv gestalten und mit sich im Einklang sein wollen, ist diese Zeit und Mühe absolut lohnenswert.

So gehen Sie strukturiert vor:

Es gibt verschiedene Methoden für die Wertearbeit. Es kann also sein, dass Sie in Büchern oder anderen Internetbeiträgen abweichende Vorgehensweisen finden. Bei dieser Variante gehen Sie so vor: 

1) Begriffssuche und Definition

Nehmen Sie sich Karteikarten oder Zettel und schreiben Sie zunächst Wertebegriffe auf, die Ihnen wichtig sind. Fragen Sie sich dabei: 

  • Was ist mir in meinem Leben wichtig?
  • Was treibt mich an?

Das sollten Sie zunächst ungestützt tun, sprich ohne Hilfsmittel. Wenn Sie gar nicht weiterkommen, gibt es im Internet recht leicht zu findende Wertebegriffs-Tabellen, die Ihnen auf die Sprünge helfen. 

Vorsicht jedoch: Übernehmen Sie nicht einfach Begriffe, weil sie gut klingen oder moralisch hoch angesehen sind. Bleiben Sie bei sich!

2) Auswahl & Vertiefung

Wählen Sie die zehn für Sie wichtigsten Werte aus und gehen Sie in die Tiefe. Beschreiben Sie ausführlich in Stichpunkten oder Sätzen, was Sie mit jedem einzelnen Werte-Begriff verbinden. Fragen Sie sich:

  • Was bedeutet dieser Begriff für mich?
  • Wo kommt dieser Wert her?
  • In welchen Lebensbereichen ist er mir besonders wichtig?
  • Bei welchen Entscheidungen hat mich dieser Wert maßgeblich beeinflusst?
  • Welche Verhaltensweisen zeige ich, die durch diesen Wert bestimmt sind?

Achtung: Werden Sie so konkret wie möglich! Oft werden Wertebegriffe eher auf eine hochphilosphischen Ebene diskutiert, die in der Praxis wenig hilft. Gehen Sie also pragmatisch vor. Unterfüttern Sie also beispielsweise Ihre Überlegungen mit konkreten Situationen aus der Vergangenheit oder Wünschen bezüglich zukünftigen Verhaltens.

3) Werte-Hierarchie bilden

Kehren Sie nun von den ausführlichen Beschreibungen zu den Karten mit den Wertebegriffen zurück und legen Sie diese in eine Hierarchie. Der wichtigste Wert liegt oben. Fragen Sie sich dabei:

  • Welche dieser Werte sind mir besonders wichtig?
  • An welchem dieser Werte habe ich schon gezweifelt?
  • Bei welchem dieser Werte würde ich eventuelle Kompromisse machen?
  • Welche dieser Werte sind für mich unverzichtbar?
  • Für welche Werte bin ich schon öffentlich eingetreten (bei „Gegenwind“)?
  • Für welche Werte würde ich gar meine Existenz riskieren? 

Das ist keine einfache Übung! Manchmal kommt es vor, dass sich Klienten partout nicht für eine Reihenfolge zwischen zwei Werten entscheiden können. Wenn es Ihnen nach längerem Nachdenken immer noch so geht, dann legen Sie diese Karten nebeneinander auf gleiche Höhe. 

Aber machen Sie sich nichts vor: Wenn Ihnen Ihr erarbeitetes Wertesystem zukünftig bei der Richtungsbestimmung helfen soll, müssen Sie ehrlich zu sich sein und dürfen sich nicht zu schnell auslassen! 

4) Resümee

Fragen Sie sich dann bei jedem Ihrer Werte, wie stark sie diesen aktuell leben.

  • Sind Sie zufrieden?

Wenn nicht:

  • Was brauchen Sie oder was können sie tun, damit Sie diesen Wert zufriedenstellender leben können?

Wenn Sie sich Ihrer Werte bewusst sind, können Sie sich ab sofort bei jeder wichtigen Entscheidung besinnen und fragen: Was ist mir wirklich wichtig? Und bei Entscheidungsschwierigkeiten oder Konflikten können Sie analysieren, welche Werte kollidieren.

Blinde Flecken & Co

Nun ist diese Übung im Alleingang schon ganz aufschlussreich, jedoch erlebe ich im Coaching immer wieder, dass sich Menschen etwas vormachen oder Dinge so zurechtrücken, dass alles schön bequem bleibt.

Zudem haben wir blinde Flecken. So sitzen wir nicht selten Fremdwerten auf, die so zur gewohnten Denke gehören, dass wir sie nicht hinterfragen. Fremdwerte sind übernommene Überzeugungen, die jedoch nicht zu dem passen, was unserem Wesenskern und unseren Lebensvorstellungen entspricht. 

Beispiel: Wenn Eltern überaus darauf bedacht waren, ein hohes Ansehen zu wahren, beeinflusst das die Nachkommen möglicherweise so weit, dass sie stets und ständig darauf bemüht sind, einen gewissen Titel oder Rang zu erreichen oder einen tadellosen Ruf zu haben. Und so kann es sein, dass jemand einen beruflichen Weg einschlägt, der vorrangig auf eine steile Karriere mit entsprechendem Statuts ausgerichtet ist, die ihn aber leider nicht erfüllt. 

Daher ist es interessant, seine in Hierarchie gebrachten Werte mal mit einem Sparringspartner zu diskutieren. Das kann beispielsweise ein Freund sein, der Sie gut kennt und der Ihnen nicht immer nur beipflichtet, sondern schon auch mal kritisch ist. Und zum Job jedes guten Coachs gehört ein zuverlässiges Gespür für Inkongruenzen, die er dann mit entsprechenden Fragetechniken ins Licht des Bewusstseins holt. 

Wer sich mit seinen Werten beschäftigt, gewinnt übrigens nicht nur eine höhere Klarheit für das eigene Denken und Tun. Die Arbeit öffnet oft auch den Blick für die Werte der anderen, verbessert also die Fähigkeit zur Empathie. Und bietet das dann nicht wunderbare Möglichkeiten, auch zu einem besseren Verständnis miteinander zu gelangen?

  Kommentare zu “Kennen und leben Sie Ihre persönlichen Werte?

  1. Bernhard
    15. März 2013 at 11:50

    Seine Werte zu kennen, ist meiner Meinung nach die Grundvoraussetzung für ein glückliches und zufriedenes Leben!

  2. 21. August 2014 at 09:10

    Jo, die eigenen Werte sind wie ein Leuchtturm in der Nacht für jede Lebensentscheidung.

    Sobald Du Deine Hierarchie ermittelt hast, suche in Deinem Leben nach passenden Handlungen.

    Handelst Du nach Deinen Werten? Gut!
    Weichen Deine Handlungen von der Hierarchie ab? Dann mach Dir nicht länger etwas vor und berichtige Deine Hierarchie.

    Wenn Du Umweltschutz ganz oben hast, aber jedes Jahr ein neues Handy kaufst, dann lügst Du Dir etwas in die eigene Tasche.

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