Serie Stärken stärken ~ Nr. 19 „Ausdauer“

„Nichts kann geduldige Ausdauer ersetzen. Talent nicht – es gibt zahllose erfolglose Menschen mit Talent. Genie nicht – verkannte Genies sind fast sprichwörtlich. Bildung nicht – die Welt wimmelt von gescheiterten Gebildeten. Zielstrebigkeit und Ausdauer alleine verbürgen den Erfolg.“, so der 30. US-Präsident Calvin Coolidge.

Ausdauer ist eine der 24 Signaturstärken, die Vertreter der Positiven Psychologie als glücksfördernd einstufen. Nach dem Stärken-stärken-Ansatz tritt der glückssteigernde Effekt vor allem dann ein, wenn diese Stärke zu Ihren persönlichen Top-5 zählt und – wichtig! – Sie diese auch intensiv ausleben.

Sind Sie neugierig geworden und wollen wissen, an welcher Stelle innerhalb der 24 Signaturstärken die Ausdauer bei Ihnen steht? Dann können Sie das mit diesem kostenlosen Test herausfinden. Im Testergebnis steht dann dazu:   

Ausdauer (je nach Test auch Beharrlichkeit und Fleiß genannt): Sie arbeiten hart, um zu beenden, was Sie begonnen haben. Was Sie auch tun, Sie beenden es zügig. Sie lassen sich nicht ablenken, wenn Sie an einer Sache arbeiten und es stimmt Sie zufrieden, wenn Sie Aufgaben erfüllt haben.“ 

Zwei Dinge sehe ich etwas anders:

  1. Zum einen würde ich statt „hart“ den Begriff „zielstrebig“ verwenden, sonst klingt das alles so nach quälender Mühsal. Klar gibt es beim Verwirklichen von Vorhaben immer wieder Phasen, in denen es anstrengend wird und man sich selbst überwinden muss. Doch das ist ja (hoffentlich) nicht die ganze Zeit der Fall, sonst stimmt grundlegend was nicht. Zudem lauern im eisernen Abarbeiten auch Gefahren, beispielsweise dass man verbissen wird, über seine Kräfte geht oder sich verrennt.
  2. Zum anderen hat Ausdauer aus meiner Sicht nicht unbedingt etwas mit zügigem Erledigen zu tun, denn oft brauchen Vorhaben vor allem Geduld, um erfolgreich zu werden. Denken Sie nur an Menschen, die ein Instrument lernen. Das braucht keine Schnelligkeit, sondern vielmehr stetes Dranbleiben.

Sie sehen schon: es geht zunächst erst einmal wieder darum, sich sein eigenes Verständnis dieser Stärke vor Augen zu führen. Was also bedeutet Ausdauer für Sie?

Was macht ausdauernde Menschen aus?

Grundlegend glaube ich, dass uns Ausdauer vor allem dann gelingt, wenn wir tun, was wir wirklich von Herzen und aus tiefster Überzeugung heraus tun wollen. Das ist eine ungemeine Schubkraft. Ausdauerstarke Menschen zeichnet vornehmlich folgende Eigenschaften aus:

  • Sie sind entschlossen, haben also eine klare Entscheidung für etwas getroffen und bleiben dabei, auch wenn Gegenwind, Hindernisse oder Zweifel auftauchen.
  • Sie haben ein gutes Selbstmotivations- und Selbstüberwindungsvermögen.
  • Kluge Ausdauernde sind auch gute Ressourcenmanager, denn sie passen auf, dass ihnen und miteingebundenen Menschen nicht unterwegs die Luft ausgeht. Sie setzen Material und Energie sinnvoll und adäquat ein.
  • Beharrliche Menschen verfügen oft über ausgeprägte Anpassungs- und Problemlösungsfähigkeiten. Sie stellen sich Schwierigkeiten und finden Wege, dennoch zum Ziel zu kommen. Es gibt aber auch Situationen, wo Beharrlichkeit im Wortsinne der Sturheit zum Erfolg führt, nämlich dort, wo man Unkonventionelles auf die Füße stellen möchte.

Nutzen & Vorteile

Die Gewinne von Ausdauer und Beharrlichkeit sind

  • ein hoher Grad der Zielerreichung und damit Erfolg,
  • Zufriedenheit, Selbstvertrauen und Glücksgefühle, denn all das bringt das Früchteernten mit sich,
  • nachhaltige Ergebnisse, denn die Wirkung verpufft nicht einfach, wie es vielen der heute oft geforderten „quick wins“ der Fall ist.

Im Sinne des Stärken-stärken-Ansatzes geht es nun wieder darum, Ihre Stärke „Ausdauer“ möglichst oft und vielfältig einzusetzen, um noch zufriedener und glücklicher zu leben.

Ausdauer im Berufsleben

Da Ausdauer etwas ist, das so ziemlich überall in der Arbeitswelt eine Rolle spielt, sehe ich hier davon ab, prädestinierte Berufe zu nennen. Vielmehr möchte ich Sie anregen, sich zu überlegen, wo Sie in Ihrer konkreten Situation Ihre Stärke gezielt und oft einsetzen können. Wo in Ihrem Job ist es gefragt und wichtig

  • langfristige Projekte zu stemmen,
  • fisselige Angelegenheiten zu entwirren,
  • routinierte Abläufe einzuhalten und zu überwachen oder
  • Veränderungen anzustoßen und zu begleiten?

Langfristige Projekte stemmen muss beispielsweise jede Führungskraft bei der Mitarbeiterentwicklung. Menschen fördert man nicht von heute auf morgen. Hier braucht es Richtung, Beharrlichkeit und ausdauernde Begleitung. Aber auch bei jeglicher Forschung oder im Produktmanagement ist diese Stärke vonnöten.

Fisselige Angelegenheiten zu entwirren gibt es beispielsweise bei Konflikten oder dort, wo etwas undurchsichtig oder chaotisch geworden ist. Auch hier hilft Ausdauer und Geduld dabei, in die Tiefen zu gehen und die einzelnen Fäden wieder zu sortieren.

Routinierte Abläufe wiederum gilt es unter anderem dort einzuhalten oder zu überwachen, wo die Qualität einer Leistung oder eines Produktes zu überprüfen ist. Auch wo aus Sicherheitsgründen ganz bestimmte Abläufe essentiell sind, ist es nötig, ausdauernd und beharrlich das Richtige, gegebenenfalls Immergleiche zu tun, so, wie es beim Sicherheits-, Rettungsdienst oder der Feuerwehr der Fall ist.

Und in Sachen Veränderung: Ich würde mich ja freuen, wenn mehr Ausdauernde Unternehmensberater oder Change Managern würden, denn aus meiner früheren Konzern- und aus meiner heutigen Coachingerfahrung weiß ich: Veränderung braucht Zeit und Geduld. Das wird leider in der heutigen Zeit, in der es eher um schnelle Ergebnisse und kurzfristige Erfolge geht, selten berücksichtigt und oft nicht gewürdigt. Bei Veränderungen ist Ausdauer gefragt und auch Beharrlichkeit. Vielleicht gelingt es Ihnen als Ausdauerstarken ja, bei Veränderungen in Ihrem beruflichen Umfeld auch andere davon zu überzeugen, dass es gerade jetzt wichtig ist, nachhaltige Ergebnisse anzustreben statt lauten, doch alsbald verpufften Schnellschüssen.

Da ich hier im Beitrag nur generelle Anregungen geben kann, ist es wichtig, dass Sie nun eigene Ideen für Ihre spezielle berufliche Situation entwickeln. Denken Sie an Ihre üblichen Aufgabenstellungen: Wo ist Ihre Ausdauer gefragt? Denken Sie auch über Ihre üblichen Tätigkeiten hinaus: Wo könnten Sie Ihre Stärke noch einbringen, vielleicht in abteilungsübergreifenden Projekten oder in überbetrieblichen  Teams?

Ausdauer im Privatleben

Auch im Privatleben haben Sie vielerlei Möglichkeiten, Ihre Stärke noch weiter zu fördern und zu leben. Alle Aktivitäten, bei denen es darum geht, etwas langfristig und regelmäßig zu tun, trainiert die Ausdauer. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Sie ein Musikinstrument erlernen oder eine Sprache. Aber auch beim Meditieren oder in allmorgendlichen Yogasessions. Bei den Ausdauersportarten ist der Effekt ja schon ins Wort gefasst: joggen, walken, radeln, schwimmen – woran hätten Sie Spaß?

Wer einen Garten anlegt und hingebungsvoll pflegt, bringt dabei auch seine Ausdauer zum Einsatz. Das gleiche gilt für Handarbeiten, wie Nähen oder Stricken, oder Handwerken, wie Schnitzen oder Töpfern. Selbst das passionierte Sammeln von Lieblingsobjekten, für die man ja manche Wege geht und auch Hürden überwindet, zeigt Ausdauer und stärkt diese.

Na, was könnte Sie ansprechen? Ich finde ja, dass bei den Aktivitäten in der Freizeit vor allem die Freude und der Spaß Auslöser fürs Tun sein sollten, und nicht etwas Leistungs- oder Fitnessdruck. Und genau dann können Sie Ihre Ausdauer ohne harte Müh oder Drangsal erfahren und genießen.

Reflexionsfragen zur Stärke „Ausdauer“

Wenn Sie diese Stärke aktiver leben wollen, fragen Sie sich doch mal:

  • Was genau verstehe ich unter Ausdauer?
  • Wen halte ich für ausdauernd? Und warum?
  • Wo und wann zeige ich meine Fähigkeit zur Ausdauer bereits? – Schreiben Sie konkrete Situationen auf.
  • In welchen Lebensbereichen möchte ich noch ausdauernder sein?
  • Wie kann ich diese Stärke mit meinen anderen Kernstärken verbinden und aktiv leben? (Dafür müssen Sie den Test der Positiven Psychologie gemacht haben.)
  • Was konkret will ich nun diesbezüglich ausprobieren oder angehen?

Im nächsten Stärkenportrait geht es um „Spiritualität“. Wollen Sie den Beitrag nicht verpassen? Dann:

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P.S. Alle bisherigen Beiträge rund um das Thema Stärken finden Sie hier.

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