Serie Stärken stärken ~ Nr. 2: „Selbstregulation“

Selbstregulation…  gut für den, der sie hat! Denn wer braucht es nicht, das Vermögen sich selbst zu kontrollieren, genauer gesagt seine Aufmerksamkeit, Emotionen, Impulse oder Handlungen…

Und schon bin ich geneigt, einen Artikel zu schreiben, wie man seine Selbstkontrolle verbessern kann, wohl weil diese Stärke bei mir nicht ganz so weit vorne angesiedelt ist und ich mich ausgiebig und fortwährend damit beschäftige, der Herausforderung dennoch Herr zu werden… ;-)

Doch darum geht es hier nicht. Schließlich ermittelt der Test der Positiven Psychologie welche der definierten Signatur-Stärken bereits in uns ausgeprägt sind. Und es gilt, diese Stärken zu stärken und seine Top Fünf aktiv in den Alltag zu integrieren, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Also los.

Schauen wir uns zunächst die Beschreibung im Testergebnis an:

„Sie regulieren Ihre Gefühle und Ihr Verhalten bewusst. Sie sind diszipliniert und kontrollieren Ihr Verlangen und Ihre Emotionen.“

Wie aber integriert man diese Stärke nun aktiv ins tägliche Leben?

In welchen Berufen ist Selbstregulation besonders gefragt? Wo im Privatleben wird das häufig gebraucht? Und gibt es Freizeitvergnügen, die von dieser Kernstärke getragen werden?

Ha! Zur letzten Frage fällt mir ein Freund von mir ein. Über ihn habe ich vor kurzem ein Gedicht geschrieben. Mir ist zwar unklar, wie man sich freiwillig und mit Freude solcherlei Strapazen aufhalsen kann, aber interessant und bewundernswert finde ich das schon.

Er nimmt sich nämlich in regelmäßigen Abständen Auszeiten und überquert dann eben mal mit dem Rad das Atlasgebirge oder durchschreitet wochenlang irgendwelche Wüsten.

Mitnehmen tut er nur das Allernötigste: Wasser, Mehl, Linsen, Zelt, ein paar Werkzeuge und noch einige nötige Utensilien wie Streichhölzer. Eine Einmalausstattung Klamotten. Fertig. Das packt er auf ein extra für diese Zwecke gebautes Wägelchen und los geht`s. Wenn ihm das Wasser knapp wird, lutscht er halt Steine, denn dann spürt er den Durst nicht so.

Auf seinen Ausflügen hat er nicht nur mit Erschöpfung oder extremen Wetterbedingungen zu kämpfen, sondern schon auch mal mit quälendem Heimweh oder zehrender Sehnsucht sowie anderen starken Gefühlen, beispielsweise Ängsten. Eben allem, was einen in der Einsamkeit so plagen kann. Doch das sieht er als positive Herausforderung und freut sich über die dank seiner selbstregulativen Fähigkeiten möglichen Erlebnisse und Erfolge.

Wenn Sie also Ihre Stärke „Selbstregulation“ in der Freizeit zum Einsatz bringen wollen, helfen hier Aktivitäten, bei denen es eher krass zugeht und man sich besonders anstrengt oder zusammennimmt. – Was wäre das für Sie?

Und im Berufsleben?

Die Frage hier lautet: Welche Tätigkeiten sind besonders für selbstregulierte Menschen geeignet? Schauen wir uns doch für die Beantwortung zunächst einmal die wesentlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen an, die selbstregulierte Menschen auszeichnet:

  • Sie haben ein hohes Konzentrationsvermögen und können ihre Aufmerksamkeit trotz schwieriger Umstände gut steuern.
  • Werden sie unterbrochen oder abgelenkt, fällt es ihnen leicht, die ursprüngliche Aufgabe wieder aufzunehmen und weiterzumachen.
  • Sie behalten immer das Ziel im Auge und lassen sich nicht vom Weg abbringen.
  • Sie haben eine ausgezeichnete Selbstberuhigungsfähigkeit und damit verbunden eine hohe Impulskontrolle und Frustrationstoleranz.
  • Sollten sie sich mal aufregen, regen sie sich schnell wieder ab und machen unbeeinträchtigt weiter.
  • Insgesamt haben sie eine eher sachliche Haltung. Auch wenn die Wellen hoch schlagen, behalten sie die Ruhe und haben ihre Gefühle unter Kontrolle.
  • Sie sind in der Lage, berührende oder störende Gedanken und Gefühle wegzuschieben.
  • Sie können angenehme Dinge und kurzfristige Belohnungen zugunsten längerfristiger Ziele und größerer Erfolgsaussichten zurückstellen.

Für selbstregulierte Menschen gut geeignet scheinen mir Berufe, in denen man starke Nerven und einen kühlen Kopf braucht und wo Dinge schon mal „an die Nieren gehen“, beispielsweise bei Polizisten, Ärzten, Gefängniswärtern oder Richtern.

Interessant ist diese Stärke aus meiner Sicht auch dort, wo man besonderes Durchhaltevermögen und Selbstüberwindung braucht oder mit harten Arbeitsbedingungen leben muss. Spontan fallen mir da verschiedene Tätigkeiten in Landwirtschaft, Bergbau oder Forensik ein.

Wichtig für Ihre Überlegungen ist – und das gilt für alle Stärken! – die „Selbstregulation“ nicht isoliert zu sehen, sondern immer im Zusammenspiel mit Ihren anderen Stärken, beruflichen Interessen und Wünschen.

Selbstregulation in Beziehungen

Im Familienleben und allen anderen privaten Beziehungen ist besonderes Selbstregulationsvermögen überall dort vonnöten, wo ein kühler Kopf gefragt ist. Denn hier sind Sie zwar Betroffener, können aber trotzdem schlichtend oder klärend wirken. Wo immer also beispielsweise Emotionen hochkochen oder Unklarheiten und Zwistigkeiten auftreten, könnten Sie Ihre Stärke zum Einsatz bringen.

Vielleicht sind Sie aber auch derjenige in der Familie, der die Willenskraft und das Durchhaltevermögen Ihrer Lieben fordert und fördert – aber bitte einfühlend und maßvoll! Das könnte in der Kindererziehung sein, aber auch bei sportlichen Aktivitäten oder bei Arbeiten in Haus und Garten.

 

Reflexionsfragen bezüglich der Signaturstärke „Selbstregulation“

Wenn Sie „Selbstregulation“ unter Ihren ersten fünf Signaturstärken haben, sind die folgenden Fragen zur Klärung und Vertiefung für Sie interessant:

  • Was bedeutet Selbstregulation oder Selbstkontrolle für mich?
  • In welchen konkreten Situationen oder bei welchen Aktivitäten zeigt sich mein Selbstregulationsvermögen besonders?
  • Welche positiven Eigenschaften gehen mit meiner Fähigkeit zur Selbstregulation einher?
  • Wo sehe ich Gefahren oder starke Einschränkungen aufgrund zu starker Selbstregulation? Warum tue ich es trotzdem, was sind dennoch die Vorteile für mich?
  • Was ermöglicht mir meine Selbstregulation?
  • Wie kann ich Selbstregulation in Kombination mit meinen anderen Signaturstärken und Interessen und Wünschen verbinden und in mein Leben integrieren?
  • Bieten mir mein derzeitiger Beruf mit seinen täglichen Aufgaben und Anforderungen ein ausreichendes Maß, meine Selbstregulation einzusetzen? – Wenn nicht: Was kann ich tun oder verändern, damit es für mich stimmig wird?
  • Bieten mir meine Freizeitaktivitäten aktuell genug herausfordernde Möglichkeiten, um mich erfüllt und wohl zu fühlen? – Wenn nicht: Was kann ich tun, damit es so wird?
  • Gibt es konkrete Schritte, die ich nun diesbezüglich angehen möchte?

So, nun habe ich zwei Artikel über Kernstärken geschrieben, die nicht unter meinen Top 5 sind. Das werde ich das nächste Mal ändern und schreibe über die „Hoffnung“.

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Herzliche Grüße & auf Wiederlesen!

P.S. Lesen Sie auch meinen ersten Stärken-stärken-Artikel zum Thema „Bescheidenheit“

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