Wir heben Bouldern in eine neue Dimension!

Im Sommer 2010 haben Markus Grünebach und Dave Cato in München die größte Boulderhalle der Welt eröffnet. Bouldern (abgeleitet von engl. boulder = Felsblock) ist das Klettern ohne Seil und Gurt in sicherer Absprunghöhe. Jetzt, nur zwei Jahre später, brummt der Laden. Es wurde bereits eine weitere Halle in Regensburg eröffnet, aktuell entsteht eine dritte in Frankfurt. 

Hut ab! – Was sie um- und antreibt, und wie sie das alles schaffen, lesen Sie im Interview:

Ihr habt Euch mit der Boulderwelt München Euren beruflichen Traum verwirklicht. Wie kam es dazu? 

Dave: The first time I went climbing was in 1995 when I was 17 and from that very first moment I was hooked. Since then climbing and routesetting has always been a very big part of my life and I always dreamed that one day maybe I would have my own climbing gym. But I could never really see a way to make it a reality. First when I came to Germany and started working full time as a routesetter and selling climbing holds did I realize that the potential in Germany and more specifically Munich was huge. From this point I started being much more constructive in making the right contacts in the climbing industry, learning the skills and collecting the information I would later need to build my own Gym.

Even though I was planning in this direction since the end of 2005, the prospect of really taking that big step and committing to really doing it scared me. What if it didn’t work!!!??? In 2008 I asked Markus if he wanted to join the project. This was the best thing I ever did. His enthusiasm, motivation and complete belief in the idea gave me the belief I also needed to commit and there was no turning back!

Markus: Während meines Sportstudiums kristallisierte sich durch meine Begeisterung und Aktivität im Klettersport der Traum heraus, irgendwann in dieser Branche auch beruflich tätig zu werden. Zuerst wollte ich einfach in einer etablierten Halle einen Job finden. Die Idee, etwas Eigenes zu machen, entstand bei mir erst durch Dave. Er nahm mich einige Male zum Kletterroutenschrauben mit. Dabei erzählte er mir von seinem Plan, eine eigene Boulderhalle zu eröffnen und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte mitzumachen. Seine Entwürfe der Boulderwände waren revolutionär und begeisterten mich vom ersten Moment an.

Und hat sich der Traum nun auch als Traumberuf realisiert? 

Markus: Ja, definitiv! Durch die Selbständigkeit habe ich den Freiraum, Prozesse frei zu gestalten und Visionen wahr werden zu lassen. Ich konnte meine Ideen und Wünsche umsetzen und bin fortlaufend dabei, diese weiter zu entwickeln.

Dave: Definitely! As Markus says, in most jobs you don’t have the freedom to implement all your ideas and visions. With the Boulderwelt we have the possibility to realize our ideas, do things that have never been done before and to really push the boundaries of what climbing and bouldering has to offer. For me it is also really rewarding to directly see how our ideas are received by our customers, and to see how much fun everyone has in the Boulderwelt. To see all those smiling faces, makes my job the best job in the world! :-)

Was waren damals die größten Hürden? Wie habt Ihr sie genommen?

Dave: Originally we had planned to work with an existing wall-building company where I had already made good contacts. But after a many meetings and much discussion and bargaining over the price, it became clear that we would have to build the walls ourselves. The best offer we had was more than two times more expensive than we could afford!!! In less than three months we then needed to make a plan of how to build bouldering walls:

  • What should they look like?
  • How to create a professional surface coating for the walls?
  • What kind of a construction do we need?
  • Where to we find the structural engineers that we would need to help us with such a complicated project?
  • Where do we order all of the necessary materials?
  • And who will build the walls?

We were very lucky to have had such good friends who helped us here. We had several big brainstorming sessions with all of our friends, and slowly but surely we build up a network of all the people we needed for the planning. Also with the wall building, we couldn’t have done it without many motivated friends! Everyone we knew helped however they could, we sometimes had 20 to 30 people on the building site, all unpaid, just helping us out of friendship! Here again: Thank you everyone who helped!!!  

Markus: Einen großen Beitrag in Sachen Hürdenbewältigung leistete unser dritter Partner, der Tom. Er hat eine Menge Berufserfahrung und brachte uns die notwendige Professionalität bei, aber auch die Einstellung, dass Probleme immer lösbar sind. Dies half uns vor allem bei der ja nicht immer leichten Kommunikation mit Behörden. 

Und letztlich wäre das Projekt nicht ohne unser extrem hohes Eigenengagement und die Bereitschaft zu langen Arbeitszeiten stemmbar gewesen. 18 Stunden täglich waren nicht nur in der Bauphase Standard, sondern auch noch einige Monate über die Eröffnung hinaus. 

Ihr legt ein flottes Wachstum vor: München, Regensburg, in Kürze Frankfurt.  – Was ist Eure Vision?

Markus: Wir heben Bouldern in eine neue Dimension!  – Wir wollen diese supergeile Sportart einem möglichst breiten Publikum nahebringen und haben sie aus den dunklen, schmuddeligen Kellern ans Licht geholt. Unsere Boulderwelten sind hell und freundlich, die Atmosphäre einladend, entspannt und kommunikativ. Unsere Kunden sollen den gleichen Spaß und die Begeisterung dabei erleben, wie wir sie jetzt schon haben. Dafür suchen wir in anderen Städten Freunde, die dort ihre Boulderwelt aufbauen; sie müssen die gleiche Begeisterung und Einstellung dazu mitbringen wie wir sie haben. So versuchen wir nachhaltiges Wachstum zu schaffen, die der Sportart und uns eine hoffentlich lange Erfolgsgeschichte bringt. 

Dave: Bouldering the best sport in the world! That’s what I think at least. J Bouldering is fun, communicative, exciting, physically and mentally challenging and so much more! It is a sport that very quickly becomes a way of life, boulder partners become good friends and the community in the Boulderwelt is like my extended family! We want to show as many people as possible how amazing bouldering is. Our motivation is endless and with so many like minded friends in other cities who feel the same way, the sky is the limit! J

3 Hallen parallel – Wie schafft Ihr das alles?

Markus & Dave: Wir eröffnen Boulderwelten in anderen Städten, sehen uns jedoch dort nur als „Stütze“, das heißt wir suchen uns local heros, die in der Lage sind so ein Projekt zu stemmen. Wir unterstützen mit unserem Know-how und finanzieren auch.

Viele glauben, dass so eine Boulderhalle einfach bedeutet ein paar Hölzer in eine Industriehalle zu schrauben. Das ist jedoch von vornherein zum Scheitern verurteilt. So ein Projekt ist viel komplexer, da kommen tausend Dinge auf einen zu: Nutzungsänderung beantragen, Ab- und Zuwasserkonzept umsetzen, mit Baubehörden kommunizieren, Brandschutzrichtlinien, Wandnormen und statischen Anforderungen gerecht werden – das sind nur einige der Themen, in denen man fit sein muss, damit ein erfolgreiches Projekt daraus wird. Dank unserer erworbenen Erfahrung können wir einschätzen, ob ein geplantes Projekt erfolgreich sein kann und wir treiben die Umsetzung zielgerichtet voran.

Wie geht Ihr mit den damit verbundenen Expansions-Herausforderungen um?

Markus: Dabei hilft uns vor allem Toms Erfahrung aus großen Unternehmen. Wir lernen also von anderen und übertragen beispielsweise erprobte Prozesse auf die Boulderwelten. Noch mal schwierig fand ich dann die Übertragung unserer etablierten Prozesse aus der Münchner Halle auf neue Hallen mit neuen Verantwortlichen; nicht alles lässt sich einfach kopieren und eins zu eins einsetzen.

Dave: Every Boulderwelt has been and will be different. From every building phase and from the daily running of each Boulderwelt, we continually presented with new problems. But the more problems we have the more solutions we find and these help us to then be stronger and more prepared for the next Boulderwelt.

Wie geht Ihr mit Zweifeln und Befürchtungen um?

Markus: Ängste und Zweifel gab es vor allem während der extrem stressigen Bauphase. Wenn für uns „unlösbare“ Probleme auftraten, lagen wir oft nächtelang schlaflos im Bett. Für mich war in solchen Situationen meine Freundin eine sehr gute Stütze. Sie hörte sich die Probleme an und brachte mich auf neue Ideen oder lenkte mich einfach ein wenig ab. So konnte ich Abstand zum Problem bekommen und meistens schaute es am nächsten Tag schon wieder ganz anders aus.

Dave: With Boulderwelt in Munich and with the new gyms we build there are inherent are risks and uncertainties involved. Often it is worrying, even scary not being able to see what the future holds. Tom, Markus and I are a strong team though, not just workwise, but also as good friends. Each one of us is there for the other to help, support and advise, and as a team we have been able to overcome every problem that has confronted us.

Was ist Euch bei Eurer Arbeit am wichtigsten?

Markus: Zu sehen, wie die eigenen Ideen nach Umsetzung tatsächlich funktionieren. Und natürlich die Begeisterung der Kunden, die in der Halle mit leuchtenden Augen die neu geschraubten Boulder betrachten und probieren.

Dave: Like I said above, for me it’s all about the people, all those smiling faces! To know that your work is appreciated, that’s job satisfaction!

Wobei tankt Ihr auf?

Markus: Bei jeder Art von sportlichem Ausgleich. Oft ist es ein verlängertes Wochenende am Gardasee oder in den Alpen, in dem ich Klettern und Biken gehen kann. Oder wenn ich mal um 16 Uhr die Halle verlasse, um mal schnell am Tegernsee eine Bikerunde zu drehen oder in Kochel eine Kletterroute zu probieren. Diese kurzen Ausflüge in die Berge stellen für mich den lohnendsten Ausgleich dar. Sie fühlen sich immer an wie ein paar Stunden Urlaub. Und kürzlich habe ich herausgefunden, wie herrlich man in einer Saunalandschaft in der Therme entspannen kann. Das ist genau das richtige nach einer Ski- oder Klettertour und für mich die wohl beste Möglichkeit abzuschalten.

Dave: Sport, sport, sport!!! I love to get out into the Mountains and go climbing. There is nothing better than the view over the Alps, the fresh air and the company of good friends. That’s what it’s all about. Growing up in the South West of England I am not used to the mountains and I find the views and the atmosphere in the Alps amazing! I also love running, especially over long distances where it becomes more a mental challenge to push myself past my conceived limits. In this way running and climbing are really important to me. I can be completely focused on the moment and have no other thoughts in my mind.

Gibt es Ungeliebtes? Wie geht Ihr damit um?

Markus: Wenn Dinge nicht funktionieren oder ich mich in Personen getäuscht habe, bin ich immer sehr unglücklich. Diese Dinge lehren mich aber auch weiter dran zu bleiben und zu reflektieren. Dadurch kann ich mich verbessern und meine Persönlichkeit weiterentwickeln. Und Kritik – wer hört diese schon gerne ;-) – wenn sie jedoch konstruktiv ist, saug ich sie auf, reflektiere und lerne daraus. Ich glaube, nur durch das nachträgliche Überdenken von Situationen, Prozessen und Kritik entwickelt man sich persönlich weiter (das hilft übrigens auch in einer Beziehung).

Dave: The uncontrollable things in life! Especially during the building phases, we are very dependent on a lot of external contractors and suppliers. In these times we always have a very tight schedule and it is important to meet the various deadlines. To be let down be people, often at the last moment, is really frustrating! When this happens I try not to get annoyed or stressed, but to take a step back and think constructively and quickly about what the options are, which is the best, and then to get on with it. Even better of course is to already have a plan B up your sleeve! :-)

Gibt es noch weitere berufliche Ideen und Wünsche, die Ihr verwirklichen wollt?

Markus: Mein größter Wunsch ist es, mir mehr Zeit für meinen Sport freizuschaufeln. Ich möchte kein professioneller Leistungssportler werden, aber möglichst die gleiche Leistung bringen ;-). Dass dies nicht funktioniert ist mir natürlich klar, aber oft kann ich beim Bouldern als ambitionierter Amateur dem ein oder anderen Profi ein Schnippchen schlagen. Mal schauen was die Zeit mit sich bringt und inwieweit wir weitere Boulderwelten realisieren können. Freie Gedanken und Spielereien haben schon immer in meinem Kopf gespukt und werden auch weiterhin mein Leben bestimmen. Hinsetzen und mich auf dem jetzigen Erfolg ausruhen, ist für mich auf jeden Fall keine Option.

Dave: Our plan as we opened the first Boulderwelt in Munich was 10 Boulderwelten in 10 years. Right now we are well on our way to achieving that… But as Markus also said, free time is also important for me. We built Regensburg and Frankfurt without any break in between, so for now at least it is time to breathe a little and think about what comes next. But with so many new ideas in my head that I would like to realize, I am already looking forward to the next Boulderwelt!!!

Welche 3 Tipps würdet Ihr jemandem geben, der etwas Wichtiges in seinem Leben verwirklichen will, sich aber nicht traut?

Dave & Markus:

  1. Träume kann man IMMER verwirklichen. Man muss es nur aus voller Überzeugung wollen und darf nicht naiv und weltfremd herumlaufen (Selbstreflexion!).
  2. Die richtigen Freunde mit den gleichen Ideen, den gleichen Wünschen und der richtigen Motivation mobilisieren.
  3. Sich nicht zu schade zu sein, auch mal die Drecksarbeit zu machen und über einen Zeitraum viele Stunden täglich zu arbeiten.

Mehr über die Boulderwelten erfahren Sie unter: www.boulderwelt.de. Und hier ein paar Impressionen vorab.

 

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